Weidevieh und Landschaftspflege


Innerhalb weniger Jahre hat sich so der wirtschaftliche Schwerpunkt unserer Tätigkeit von der Kartierung und Landschaftsplanung auf die sehr praktische Landschaftspflege durch Beweidung mit eigenen Viehherden verlagert. Unsere Herden sorgen inzwischen auf großen Flächen für Offenhaltung und Futterverwertung:

Fläche für die Sommerweide (Stand 2015)

   
Reinerzau  ~ 22 ha 
Roßberg  ~ 12 ha 
Schenkenzell mit Kaltbrunn ~ 11 ha 
Schwarzwaldhochstraße (Schliffkopf, Ruhestein)  ~ 39 ha 
Baiersbronn - Mitteltal  ~ 2 ha 
Gesamt  ~ 86 ha 



Die Schwerpunkte liegen auf nicht befahrbaren Flächen in Steillagen und auf den Grinden des Schwarzwaldes. So nimmt es nicht wunder, daß von diesen 86 ha fast 70 ha zuvor nicht mehr bewirtschaftet wurden und bereits seit 5, 10 oder bis zu 80 Jahren brach gefallen waren.
Die übrigen Flächen stammen von Betrieben, welche die Viehhaltung aufgegeben haben und Pächter für ihre Flächen suchten.




Naturschutzflächen auf den Grinden des Nordschwarzwaldes
Die Flächen auf den Grinden des Nordschwarzwaldes beidseits der Schwarzwaldhochstraße stehen seit 1938 unter Naturschutz. Doch bereits Jahre zuvor, vor dem 1. Weltkrieg, war die traditionelle Beweidung zum Erliegen gekommen. Nachdem nach dem 2. Weltkrieg auch noch die Mahd der "Bockserflächen" beendet wurde, setzte eine Entwicklung ein, in der zuerst das Pfeifengras, die Eberesche (Vogelbeere) und die Bergkiefern ("Latschen"), langfristig jedoch die Fichte die Oberhand bekamen. Pflanzen wie Rasenbinse ("Bocksergras"), Gelber Enzian, Wollgras, Schweizer Löwenzahn und Arnika wurden selten oder verschwanden ganz. Im dichter werdenden Bewuchs fanden auch viele einst dort oben zahlreiche Tiere immer weniger geeigneten Lebensraum,
Auerwild und Kreuzottern, Wiesenpieper und Käfer wurden seltener. Der Wieder-Bewaldung konnte durch mechanische Pflegeaktionen, wie sie beispielhaft seit über Jahrzehnten von der Schliffkopfaktion durchgeführt werden, begegnet werden, nicht aber dem alles überwuchernden Pfeifengras.

Eine einmalige, durch jahrhundertelange Beweidung der kargen Buntsandstein- Hochflächen entstandene Kulturlandschaft und mit ihr viele wertvolle Lebensräume drohten zu verschwinden.

Hier konnte nur eine Wiederaufnahme der Beweidung die Wende bringen. Und so begann 1995 auf 1,5 ha Fläche an der Hornisgrinde die Beweidung durch die Heidschnucken von Paul Dinger aus Lauf. Zwei Jahre später, 1997, kamen am Gaiskopf (schon der Name zeigt die alte Beweidung) unsere erste Hinterwälder-Herde dazu, in den folgenden Jahren Hinterwälder am Ruhestein, am Schliffkopfgipfel und am Seekopf, Coburger Fuchsschafe und Pommersche Landschafe von Ute Svensson aus Baden-Baden an Zuflucht, Alexanderschanze, Plonkopf, Schliffkopf, Vogelskopf und Seekopf und Heidschnucken am Hochkopf.
Inzwischen bewirtschaften die Schäfereien Ute Svensson-Müller und Marianne Burger-Dinger und der Weidebetrieb Gerold Wein insgesamt über 150 ha Grindenflächen !
So halten die Rinder und Schafe ihren Beitrag zur Erhaltung und Regeneration der Grinden. Darüber hinaus entsteht noch ein hervorragendes Fleisch, das zunehmend Liebhaber findet.
 

Die Beweidung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Naturschutzverwaltung und dem Naturschutzzentrum Ruhestein. Auch wissenschaftliche Begleitarbeiten werden regelmäßig angefertigt und dokumentieren den Erfolg der Beweidung aus naturschutzfachlicher Sicht. Sie geben auch Hinweise auf weitere Verbesserungs- und Beweidungsmöglichkeiten. Eine Folge davon war, daß die Gaiskopfweide 2005 um eine Fläche erweitert wurde, auf der gezielt durch die Beweidung der Lebensraum für das Auerwild verbessert werden sollte.

Inzwischen fühlen sich Auerhühner auf den Weideflächen sehr wohl, das erhöhte Insektenangebot kommt ihrem Nachwuchs sehr zu Gute. Und auf den Hinterwälder-Flächen hält sich der Zitronenzeisig wesentlich zahlreicher und besser als auf allen anderen Flächen!